Tax Shelter für Existenzgründer auch für Wachstumsbetriebe

Seit 2015 erhalten Investoren in neugegründete Unternehmen eine Steuerermäßigung. Die Regierung will damit Investitionen fördern und brachliegende Sparguthaben wieder in die Wirtschaft pumpen. Ab 1. Januar 2018 wird die Maßnahme erweitert, sodass auch Investitionen in Wachstumsbetriebe für diese Ermäßigung in Betracht kommen.

Crowdfunding für Existenzgründer

Im Jahr 2015 hat die Regierung den „Tax Shelter“ für Investitionen eingeführt. Diese Steuerermäßigung ist für diejenigen bestimmt, die sich am risikotragenden Kapital eines neugegründeten Unternehmens beteiligen. Die Investition muss zwei wichtige Bedingungen erfüllen:

Sie investieren in ein neugegründetes Unternehmen während der ersten vier Jahren seiner Existenz.

Sie investieren in das Risikokapital, Sie bringen also einen Geldbetrag ein, für den Sie als Gegenleistung Aktien erhalten. Als Aktionär werden Sie dann möglicherweise auch Dividenden erhalten, wenn das Unternehmen Erfolg hat und Dividenden ausschüttet. Darlehen für (neugegründete) Unternehmen kommen für andere Ermäßigungen in Betracht.

Jetzt auch für Wachstumsbetriebe

Durch die Erweiterung gilt der Tax Shelter jetzt auch für Wachstumsbetriebe. Erforderlich ist allerdings, dass es sich um eine (1.) kleine (2.) belgische Gesellschaft oder eine EWR-Gesellschaft mit einer festen Einrichtung in Belgien handelt, (3.) die nicht durch eine Fusion oder eine Spaltung entstanden ist und (4.) mindestens zehn Mitarbeiter beschäftigt.

Um als Wachstumsbetrieb in Betracht zu kommen, muss das Unternehmen in den zwei vorhergehenden Veranlagungsjahren erheblich gewachsen sein. Es gibt zwei alternative Kriterien:

der Jahresumsatz muss im Durchschnitt mindestens um 10 % pro Veranlagungsjahr gestiegen sein;

die Anzahl der Arbeitnehmer (in Vollzeitäquivalenten), welche das Unternehmen mit einem Arbeitsvertrag beschäftigt, muss im Durchschnitt mindestens um 10 % pro Veranlagungsjahr gestiegen sein.

Unternehmen können vom fünften bis zum zehnten Jahr nach ihrer Gründung ein „Wachstumsbetrieb“ sein. Dieser Zeitraum schließt sich unmittelbar an die Phase (erste vier Jahre) nach ihrer Gründung an, in der sie als neugegründet gelten. Auf diese Weise ist die steuerlich günstige Investition in ein Unternehmen während der ersten zehn Jahre möglich.

Was investieren: Beschränkungen der Investition

Sie können bis zu 100.000 Euro im Rahmen dieser Regelung investieren. Sie dürfen mehr investieren, aber der Teil über dem Grenzwert berechtigt nicht zur Ermäßigung. Diese 100.000-Euro-Grenze gilt für alle Ihre Investitionen in neugegründete Unternehmen und Wachstumsbetriebe zusammen. Sie können also nicht 100.000 Euro in ein neugegründetes Unternehmen und noch einmal 100.000 Euro in einen Wachstumsbetrieb investieren. In beide Firmen 50.000 Euro zu investieren (= insgesamt 100.000 Euro) ist dagegen möglich.

Mit dieser Investition erwerben Sie eine Beteiligung von höchstens 30 % am Kapital des Unternehmens. Es muss sich um neue Namensaktien handeln, die einen Bruchteil des Gesellschaftskapitals verbriefen und im Rahmen einer Geldanlage erworben worden sind.

Das System ist nicht offen für Unternehmer, die in ihren eigenen Betrieb investieren.

Der neugegründete oder wachsende Betrieb darf innerhalb des Tax-Shelter-Systems höchstens 250.000 Euro Kapital aufnehmen und darf das eingebrachte Guthaben nicht verwenden, um Dividenden auszuschütten, Aktien zu kaufen oder Darlehen zu gewähren. Der Höchstbetrag (250.000 Euro), den ein Wachstumsbetrieb aufnehmen darf, gilt für den gesamten Zeitraum von sechs Jahren (vom fünften bis zum zehnten Jahr). Allerdings kann ein Unternehmen zuerst 250.000 Euro als neugegründete Firma und anschließend 250.000 Euro als Wachstumsbetrieb aufnehmen. Der nicht genutzte Saldo des Existenzgründersystems kann auf den Zeitraum als Wachstumsbetrieb übertragen werden. Dadurch beträgt der absolute Höchstbetrag, den die Gesellschaft aufnehmen kann, 500.000 Euro.

Steuerermäßigung für Investor

Investoren haben Anspruch auf eine föderale Steuerermäßigung in Höhe von:

30 %, wenn sie in ein neugegründetes kleines Unternehmen investieren;

45 %, wenn sie in ein neugegründetes Mikrounternehmen investieren;

25 %, wenn sie in einen Wachstumsbetrieb investieren (einheitlicher Tarif für kleine und Mikrobetriebe).

Die Steuersenkung gilt für Investitionen in Wachstumsbetrieben ab dem 1. Januar 2018 (achtung, die neuen Regeln sind noch nicht im Amtsblatt veröffentlicht).
Die erworbenen Aktien müssen mindestens vier Jahre in im Besitz des Investors sein, um die Steuersenkung endgültig zu erwerben. Die Aktien dürfen früher veräußert werden, aber dann muss die Steuerermäßigung teilweise zurückerstattet werden. Über eine föderale Steuererhöhung wird 1/48 der bereits erhaltenen Steuererhöhung für jeden vollen Monat besteuert, der noch bis zum Ablauf der Frist von 48 Monaten übrig ist.

Beispiel
Am 2. April 2017 haben Sie 16.000 Euro in einen Wachstumsbetrieb investiert und erhielten dafür eine Steuerermäßigung um 25 % = 4.000 Euro. Sie müssen die Aktien, die Sie erhalten haben, vier Jahre (48 Monate) behalten, nämlich bis zum 2. April 2021. Sie beschließen, Ihre Aktien im Laufe des Januars 2020 zu verkaufen. Zu diesem Zeitpunkt sind 33 Monate vergangen und dauert die vorgeschriebene Haltefrist noch 15 Monate (von Januar 2020 bis April 2021). Das bedeutet, dass 15/48 der Steuersenkung über eine föderale Steuererhöhung zurückgenommen werden: 15/48 von 4.000 = 1.250 Euro.