Loss carry back in der Körperschaftssteuer

Am 1. Juli dieses Jahres wurde das Loss carry back eingeführt, für Gesellschaften sowie für natürliche Personen. Die Bezeichnung ist irreführend: Der Verlust dieses Jahres wird nicht wirklich vom Gewinn des Vorjahres in Abzug gebracht. Vielmehr kehrt man zum Vorjahr zurück und legt dort eine steuerfreie Rücklage an. Es gilt nur, den richtigen Betrag zurückzulegen.

Eine sehr technische Sache

Das Loss carry back ist nicht so einfach wie es scheint. Aus steuerlicher Sicht müssen Sie in Ihrer Erklärung der Einkünfte von 2019 einen Betrag (geschätzter Verlust) aus einer besteuerten Rücklage in eine steuerbefreite Rücklage umbuchen.

Einfach gesagt: Sie haben 2019 einen steuerbaren Gewinn von 1.500. Sie wollten 500 in Form von Dividenden auszahlen und 1.000 unter einer besteuerten Rücklage buchen.
Dann kam Corona dazwischen. Jetzt soll Loss carry back genutzt werden. Sie schätzen den Verlust von 2020 ein.
Schritt 1: Sie dürfen keine Dividenden ausbezahlen. Dies ist eine Bedingung für das Loss carry back.
Schritt 2: Sie buchen aus der besteuerten Rücklage von 2019 einen Betrag von 750 auf eine steuerbefreite Rücklage. Sie haben dann 2019 folgenden besteuerten Gewinn: 500 von der Dividende, die Sie zurücklegen müssen, und 250 von der der bereits vorgesehenen besteuerten Rücklage. Die steuerbefreite Rücklage beläuft sich nun auf 750.

Für Ihre Erklärung 2021 (Einkommen von 2020) buchen Sie, wie erwartet, einen Verlust von 750. Die steuerbefreite Rücklage wird nun steuerbar. Die beiden gleichen sich aus. So haben Sie, mathematisch gesehen, effektiv den Verlust von 2020 vom Gewinn des Buchjahres 2019 in Abzug gebracht.
Sollte der Verlust größer sein (zum Beispiel 900), sorgt die steuerbefreite Rücklage dafür, dass Sie bezüglich der Einkünfte 2020 nur noch 150 (900 - 750) an abzugsfähigen Verlust haben.
Wenn aber der Verlust geringer ist, zahlen Sie Steuern auf die positive Differenz zuzüglich einer Art Bußgeld, weil Sie die Steuern verspätet abgeführt haben.

Buchhaltung

Die Übertragung aus der besteuerten zur steuerfreien Rücklage braucht nicht buchhalterisch erfasst zu werden. Es ist keine buchhalterische, sondern rein steuerliche Transaktion. Daher muss auch eine Angabe 275 COV der Steuererklärung beigelegt werden, damit der Fiskus die steuerliche Zusammensetzung Ihrer Rücklagen besser nachvollziehen kann.

Buchhalterisch müssen Sie nämlich eine Schätzung der Steuern, die Sie abzuführen haben, anstellen. Weil Sie für das Geschäftsjahr 2019 einen Teil der besteuerten Rücklagen in eine steuerbefreite Rücklage einbringen, kann es gut sein, dass Ihre Schätzung viel zu hoch ist. Die Schätzung braucht hingegen nicht im Jahresabschluss revidiert zu werden.

Von 29,58% nach 25%

Sie erinnern sich vielleicht noch, dass die Tarifsenkung einer der Pfeiler der Reform der Körperschaftssteuer von 2017 war. Der Satz für Einkommen von 2019/Veranlagungsjahr 2020 beträgt 29,58%, für das Jahr 2020 hingegen 25%.

Heißt das, das Sie die Verluste von 2020 zu einem höheren Satz abziehen können (zum Satz der Einkommen von 2019)?  Nein. Um dies zu verwirklichen, müssen Sie in der Erklärung des Einkommensjahres 2019 den Vorteil der Tarifherabsetzung über die verworfenen Ausgaben dem Gewinn von 2020 hinzufügen. In einer Situation, wo der Satz einfach von 29,58% auf 25 % fällt, entspricht dieser Vorteil [(29,58% - 25%): 25% = 18,32%]. Diesen Satz wenden Sie auf den verfrühten Verlustabzug an und fügen ihn als verworfene Ausgabe hinzu. Auf diese Ausgabe bezahlen Sie also 25 % Steuern. So gleicht der Fiskus sofort den Vorteil der Tarifherabsetzung wieder aus. Wenn Sie als Gesellschaft Anrecht auf einen niedrigeren Satz hatten, erweist die Berechnung des Vorteils sich als recht schwierig.

Nichts überschätzen

Die Schwierigkeit liegt vielleicht in der richtigen Einschätzung des Verlustes, den Sie erfahren werden.
Sie müssen heute einschätzen, wie hoch Ihr Verlust am Ende des Geschäftsjahres sein wird. Den Coronaschaden der vergangenen Monate können Sie vielleicht einschätzen. Doch den der kommenden Monate?  Gibt es einen Wiederaufschwung?  Wird die Pandemie auch im letzten Quartal Ihnen noch Stöcke in die Speichen stecken?

Im Falle einer Überschätzung werden Sie bei der Personensteuer eine Steuererhöhung von bis zu 18 % erfahren, bei der Körperschaftssteuer sogar bis zu 40 % (der niedrigste Satz ist 2%). Der anwendbare Satz ist abhängig davon, wie hoch Sie den Verlust überschätzt hatten. Die Toleranz liegt jedoch bei 10%.

Vorauszahlungen und Abzugsposten

Weil Sie dank des Loss carry back 2019 weniger Steuern als vorgesehen zahlen werden, haben Sie vielleicht auch zu viel Steuern vorausgezahlt. Diese können Sie rascher rückgewinnen.
Andererseits müssen Sie ebenfalls auf Ihre Vorauszahlungen 2020 achten. Haben Sie einem möglichen Verlust Rechnung getragen?  Haben Sie dann auch berücksichtigt, dass Sie durch den Loss carry back vielleicht weitaus mehr Steuern als erwartet bezahlt haben?

Schlussendlich müssen Sie auch bedenken, dass Sie durch eine Herabsetzung des steuerbaren Gewinnes von 2019 eventuelle Abzugsposten verpassen. In der Personensteuer denken wir ans das Pensionssparen oder andere Steuerminderungen. Wir kennen aber auch Abzugsposten in der Körperschaftssteuer, zum Beispiel der Investitionsabzug und den übertragenen Investitionsabzug. Durch die Senkung des steuerbaren Gewinns 2019 laufen Sie Gefahr, diesen einzubüßen.

Das Loss carry back ist nicht notwendigerweise ein Wundermittel. Es ist vor allem eine Sache der „genauen“ Berechnung der Vorteile und der Nachteile einer bestmöglichen Einschätzung eines künftigen Verlustes.

Da die Erklärungsformulare für die Steuer der natürlichen Personen als auch für die Gesellschaftssteuererklärung bereits feststeht, muss der carry back in einem separaten Formular, das seit Ende August zur Verfügung steht, beantragt und begründet werden.