Kryptogewinne und -verluste aus steuerlicher Sicht

Legen Sie in Kryptowährungen an? Die Erträge schwanken stark. Doch was hält der Fiskus davon, wenn Sie effektiv Gewinne mit Ihrer Anlage erzielen?

Die „echte“ Welt 

Wenn Sie regelmäßig ein paar Cent mit Anlagen verdienen, laufen Sie Gefahr, dass der Fiskus bei Ihnen anklopft und seinen Beitrag einfordert. Spekulationsgewinne sind nämlich steuerbar als verschiedene Einkünfte zu 33%.

Wenn Sie noch weiter gehen und anlegen, um Mehrwerte zu erzielen, laufen Sie noch mehr die Gefahr, dass der Fiskus diese Gewinne als beruflich Einkommen sieht und Sie auf diese einen progressiven Steuersatz zu entrichten haben.

Nur wenn der Anlagengewinn sporadisch ist, einmalig, ohne Darlehen, sind Sie keine Steuern schuldig.

Die Kryptowelt

Wenn Sie sich kopfüber in die Welt der Anlagen stürzen, Darlehen aufnehmen, vielleicht sogar eine Software entwickeln, um Transaktionen zu kontrollieren, besteht die reale Chance, dass der Fiskus all diese Aktionen als eine Berufstätigkeit einstuft und dass Ihre Erträge zu den üblichen progressiven Steuersätzen besteuert werden. Die meisten Hobbyanleger gehen nicht so weit und legen eher nach ihren Möglichkeiten oder legen den Ertrag früherer Transaktionen an. In dem Fall ist eher die Rede von einem verschiedenen Einkommen.

Sie sollten wissen, dass Verluste nicht abzugsfähig sind. Wirft eine Transaktionen einen Gewinn ab, die andere einen Verlust, gleichen beide sich nicht einander aus. 

Erst wenn es sich um eine einmalige Transaktion oder um eine Transaktion ohne den Einsatz von Mitteln geht, dass der Fiskus Ihnen die erzielten Gewinne lässt. Die Grenzen zwischen den Einstufungen sind vage. Dies ist schon der Fall bei Aktien, aber umso mehr bei Kryptoanlagen. Einige diesbezügliche Beispiele können vielleicht etwas Licht in die Sache bringen.

Software

Eines der ersten Steuerrulings über Kryptowährungen stammt aus dem Jahre 2017: ein Student hatte eine Software für den An- und Verkauf von Kryptowährungen. Da es sich um einen Schüler handelte, urteilte die Rulingkommission, dass keine Rede von Berufseinkommen sein konnte. Da es aber um eine Software ging und somit um eine „organisierte Anlage“ ging, war das Urteil, dass die eventuellen Mehrwerte als verschiedene Einkünfte eingestuft werden mussten.

Ein IT-Manager hatte diesbezüglich weniger Glück: er entwickelte ein Programm, mit dem er Cryptocoins minen konnte. Sein PC musste ständig laufen, um die notwendigen Berechnungen anzustellen. Die Rulingkommission hielt dies für eine Berufstätigkeit, weil diese Personen einen IT-Background hatte (Ausbildung oder Beruf), seine Hardware ständig lief und es eine Vielzahl an Transaktionen gab (der IT-Manager verkaufte jeden Monat die erworbenen Cryptocoins).

Eine andere Person entwickelt eine Software nebenberuflich. Er hatte vor Jahren Cryptocoins erworben und für sich selbst ein einfaches Programm entwickelt, mit dem er automatisch seine Transaktionen durchführen konnte. Da der Betreffende mit seinem Hauptberuf nicht im IT- oder Anlagebereich tätig war, es eine ganz einfache Software war und die Beträge nicht allzu hoch waren, waren die Gewinne in dem Fall kein Berufseinkommen, sondern wurden sie als diverse Einkünfte eingestuft.

Beträge

Vieles hängt auch von den eingesetzten Beträgen ab. Wenn mehrere Zehntausend Euro eingesetzt werden, wird der Fiskus (oder die Rulingkommission) rascher urteilen, dass zumindest die Rede von diversem Einkommen ist. Vor allem, wenn Darlehen aufgenommen wurden.

Ein weiterer Trigger ist der Umfang des frei verfügbaren Vermögens. Wenn die Anlage sich auf über 25 % des verfügbaren Vermögens beläuft, urteilt die Rulingkommission grundsätzlich, dass die Rede von einem diversen Einkommen ist.

Weitere Kriterien

Die Rulingkommission veröffentlichte eine Liste mit 17 Kriterien, die sie selbst auch benutzt, wenn sie urteilen muss, ob ein Mehrwert als verschiedenes Einkommen betrachtet werden muss. Diese Liste wurde Anfang 2022 erneuert und ist für den potenziellen Anleger ein guter Leitfaden, der ihm aufzeigt, wie weit er gehen darf.

Neben den obenerwähnten Aspekten – ob Sie auch beruflich mit dieser Art von Tätigkeiten zu tun haben und wie hoch die Investition ist – spielen noch weitere Faktoren eine gewisse Rolle:

die Herkunft der Kryptowährungen: Wurden sie geschenkt oder weitervererbt? Dann ist selten oder niemals die Rede von einer Spekulation und werden die Gewinne nicht versteuert. Wurden Darlehen aufgenommen? Dann ist in der Praxis schon die Rede von einer Spekulation, und wird die Steuerbehörde den Ertrag immer als diverses Einkommen besteuern.

Anlagestrategie: wie viele Transaktionen finden statt? Gibt es eine Anlagestrategie? Wird eine Software eingesetzt? … Je nachdem ob die Rede von einem durchdachten Handel mit Kryptowährungen – eventuell in Verbindung mit anderen Anlagen – ist, dürften die Gewinne eher besteuert werden als verschiedenes Einkommen oder sogar als berufliches Einkommen.

Dauer: wie lange läuft dies schon?

Unterstützung: Lassen Sie sich von Profis aus dem Sektor betreuen und beraten?

Gesellschaften

Für Gesellschaften, die sich mit Kryptowährungen befassen, ist alles etwas einfacher: alle Einkünfte, die eine Gesellschaft erwirbt, sind ohnehin berufliche Einkünfte.

Eventuelle Probleme kann es eher mit der Abzugsfähigkeit der beruflichen Kosten ergeben, weil im Gegensatz zu den Einkommen sind die Ausgaben einer Gesellschaft nicht per definitionem Berufseinkünfte. Die Ausgaben müssen getätigt werden, um Einkünfte zu erwerben oder zu bewahren. Zudem wird allgemein angenommen, dass die Kosten auch zum gesellschaftlichen Ziel des Unternehmens passen. Obwohl die Rechtsprechung in den vergangenen Jahren diesen Aspekt weniger betont, ist es dennoch anzuraten, sich einmal anzuschauen, wie die Statuten Ihrer Gesellschaft die spekulative oder nicht spekulative Verwendung von Geldern für Anlagen behandeln.

Verlust

Eine Einstufung als „diverses Einkommen“ hat den Vorteil, dass die Erträge aus den Kryptoanlagen nicht zum beruflichen Einkommen hinzugefügt werden, sondern getrennt zu 33 % besteuert werden. Die Kosten sind abzugsfähig.

Die Verluste sind grundsätzlich nicht abzugsfähig. Es gibt keine „Konsolidierung“ der unterschiedlichen Arten an diversen Einkünften, die Sie empfangen. Es kann sogar günstiger sein, eine Einstufung als Berufseinkommen zu erhalten, weil Sie dann die Verluste bei Ihren Anlagen nicht allein von Ihren Anlagegewinnen, sondern ebenfalls von Ihren anderweitigen Einkünften in Abzug bringen können.

Gehen Sie daher nicht zu leichtsinnig damit um: der Fiskus wird verstehen, weshalb Sie plötzlich behaupten, beruflich mit Anlagen zu tun zu haben. Der Fiskus kann zudem in der Zukunft, wenn Sie wieder Gewinne einfahren, diese Gewinne als Berufseinkommen sehen. Schlimmer noch: der Fiskus kann auch die Vergangenheit untersuchen und Ihnen die Rechnung für die „beruflichen“ Gewinne, die Sie früher eingestrichen haben, präsentieren…